Einhundertvier

Drama/Gesellschaft, Deutschland 2024

26.8.2019: Multiperspektivisches Echtzeit-Protokoll einer Rettung aus akuter Seenot vor der libyschen Küste

Wie eine Seenotrettung ablaufen kann, übersteigt jegliche Vorstellungskraft. EINHUNDERTVIER zeigt diese dramatische Situation. Aus sechs Kameraperspektiven hält der Film in Echtzeit fest, was sich am 26. August 2019 um die Mittagszeit in internationalen Gewässern nahe der libyschen Küste abspielt. Wie quälend lange es dauert, 104 Personen von einem sinkenden Schlauchboot zu bergen. Mensch für Mensch, Schritt für Schritt. Ohne den Einsatz der Crew des Schiffes namens ELEONORE, betrieben von der Dresdener Nichtregierungsorganisation "Mission Lifeline," wären die Menschen auf dem Schlauchboot mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ertrunken. Als die libysche Küstenwache am Ort der Rettung auftaucht, spitzt sich die Lage zu. Das Boot der Libyer kommt der ELEONORE und dem sinkendenden Schlauchboot gefährlich nahe. Die ohnehin permanent über allem schwebende Gefahr einer Panik steigt. Die Rettungsm-Crew muss das Tempo der Übernahme noch weiter erhöhen. In jeder Minute herrscht Lebensgefahr. Anschließend harren Gerettete und Schiffsbesatzung tagelang auf hoher See aus, da kein tatsächlich sicherer Hafen ihnen erlaubt anzulegen. Erst nach einem schlimmen Sturm, der das Leben der Menschen erneut gefährdet, kommt ein europäisches Land seinen Pflichten nach internationalem Seerecht nach. EINHUNDERTVIER kommt ohne Kommentar aus; wenige Tafeln mit Sach-Informationen sowie einige Bilder nach Abschluss der Rettung ergänzen den Echtzeit-Dokumentarteil. Im Film außen vor bleiben die Fluchtursachen, aus denen die Menschen im Boot ihre Heimat verließen. Ebenso die Umstände, unter denen die Menschen in Nordafrika auf das völlig unsichere Schlauchboot gelangten – wie auch die Auswirkungen von Migrationskrisen auf die Aufnahmeländer. HINTERGRUND Kapitän des Einsatzes der ELEONORE war der 1961 in München geborene Claus-Peter Reisch. Es war der siebte und bis dato letzter Einsatz des gelernten KFZ Mechanikers und Kaufmanns als Kapitän einer solchen Mission. Nachdem das Schiff einen italienischen Hafen anlaufen durfte, nahm die italienische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Reisch auf und brachte ihn vor ein italienisches Gericht. Das Verfahren endete mit einem Freispruch - wie zuvor schon ein Verfahren in Malta, ebenfalls nach einem Rettungs-Einsatz. Reisch betonte in mehreren öffentlichen Äußerungen außerhalb dieses Dokumentarfilms, im Zentrum seines Engagements stehe die Rettung von Menschenleben als Gebot von Menschlichkeit. Zwar beendete der konservative Bayer nach 2019 aufgrund von Differenzen über die politische Kommunikation die Zusammenarbeit mit "Mission Lifeline". Reischs grundsätzliche Haltung zur Seenotrettung blieb davon völlig unbenommen: Es verbiete einfach sich, Menschen sehenden Auges ertrinken zu lassen - sei dies nun in einem bayerischen Freibad oder im Mittelmeer. Das Klima für Seenotrettungs-Missionen hat sich nach dem in EINHUNDERTVIER dokumentierten Einsatz nicht verbessert. Ermittlungen gegen Seenotretter bleiben an der Tagesordnung. Ebenso die systematische Verzögerung von Genehmigungen für Schiffe mit Geretteten, einen sicheren europäischen Hafen anzulaufen.
93 Min.
HD
FSK 12
Sprache:
Deutsch
Untertitel:
ArabischChinesischDeutschEnglischFranzösischPortugiesischRussischSpanisch

Auszeichnungen

Filmfest Bremen 2026 Bester Film
Grimme Award 2025 Für Information und Kultur

Weitere Informationen

Produktion:

Uwe Nitschke

Protagonist:

Claus-Peter Reisch

Originaltitel:

Einhundertvier

Originalsprache:

Deutsch

Format:

16:9 HD, Farbe

Altersfreigabe:

FSK 12 (emotionale Belastung)

Sprache:

Deutsch

Untertitel:

ArabischChinesischDeutschEnglischFranzösischPortugiesischRussischSpanisch